Kirchengeschichtliche Entwicklung

Ev. Kirche – Ev. Pfarrhaus –Pfarrgut – Glocken – Läuten der Zeiten

1370 Das erste Gotteshaus (Kapelle) stand in Ulrichstein mit großer Wahrscheinlichkeit auf dem Schlossberg ,und zwar rechts vom äußeren Burgtor. Dort sind heute noch die Grundmauern erkennbar. Sicherlich gingen zu jener historischen Zeit die Bewohner des Städtchens über das Kirchenpfädchen, das zwischen den Häusern Hauptstraße 4 und 6 hindurchführte, durch das so genannte Kirchenpförtchen auf der nördlichen Burgmauerseite, hin zur Liebfrauenkapelle, um dort auf dem Burgberg ihre Andachten zu halten und Gottes Wort zu hören.

1370 Aus einer Schenkungsurkunde aus diesem Jahr erfahren wir von einer Liebfrauenkirche, der Rörich von Eisenbach und sein Neffe Johann ihren Helpershainer Zehntanteil, einen Hof in Ober-Seibertenrod und einige Wälder schenkten.

1393 In einer Originalurkunde vom 3.April 1393 des Erzbischofs Konrad von Mainz ist aufgeführt, dass Papst Bonifaz IX. dem Antrag der Edlen Rörich und Johannes von Eysenbach, den Herrn von Ulrichstein und der Schlossgemeinde daselbst genehmigt haben, dass die Kapelle auf dem Schloss von der Kirche zu Bobenhausen abgetrennt werde.

1400 Der Kirchensprengel gehörte in jener Zeit zum Synodalregister des Mainzer Archidiakonats St. Johann des Täufers.

1409 In einer Urkunde vom 27. März 1409 wird aufgeführt, dass dem Landgraf Hermann von Hessen für die Pfarre von Ulrichstein, das von Bobenhausen abgetrennt wurde, das Patronatsrecht zusteht.

1521 Dass Dr. Martin Luther auf dem Rückwege vom Wormser Reichstag in der damals noch katholischen Gemeinde Ulrichstein gepredigt haben soll, wird zwar erzählt, ist aber nicht beurkundet. Möglich ist, dass Luther aus Sicherheitsgründen die unbelebtere Straße von Frankfurt am Main über Nidda und Schotten nach Ulrichstein benutzt hat, die ja in jener Zeit auch eine der wichtigsten Verbindungen in Richtung Nordhessen und Thüringen war, die man die “kurzen Hessen“ nannte. Es wird auch berichtet, dass Luther von Ulrichstein aus, einen Brief an Melanchton geschrieben haben soll.

1526-1529 Einführung der Reformation in Hessen durch den Landgrafen Philipp den Großmütigen.

1539 In der “Ziegenhainer Zuchtordnung“ hat Philipp der Großmütige mit seinem Straßburger Reformator Martin Bucer die Konfirmation als ein Vorbild für alle evangelischen Kirchen in Hessen geschaffen.

1575 In diesem Jahre erbaute die Stadt mit landgräflicher Unterstützung eine neue Kirche im Fachwerkstil parallel zur vorhandenen Ortsstraße, und zwar auf dem gleichen Platz, wo sie heute noch ihren Standort hat.

1663-1664 In diesen Jahren wurde unter Leitung des Pfarrers Bott, und durch allseitige Erhebung einer Kollekte, eine bauliche Erweiterung sowie der Einbau einer Orgel mit 6 Registern durch einen Orgelbauer aus Lich für 130 Reichstaler vorgenommen. Aus ihr und aus der alten Kapelle am Schlossberg sind noch verschiedene Relikte erhalten. So befindet sich in der jetzigen Kirche in der Höhe der Alt- Männer- Empore-gerade gegenüber der Kanzel- noch eine bittende Maria. Ihr entsprach wohl ein Johannes, der mit ihr zusammen das Kruzifix umrahmte. Es ist jetzt hinter dem Altar angebracht. Außerdem finden wir im Chorraum hängend noch 4 Ölbilder. Sie stammen von einem Epitaphium aus Holz mit Flügeltüren, das zu Ehren des am 20. August 1622 in Ulrichstein verstorbenen Rentmeisters Johann Reyser von dessen Ehefrau Elisabeth gestiftet worden war. Der Kirchenmaler H.J. Jaensch aus Darmstadt hat 1970 für diese 4 Tafelbilder, Ölmalerei auf Holzplatten, folgende Beschreibung gegeben:
1) Evangelist mit dem Löwen (Markus) - 44x69 lichtes Maß Vordergrund: Halbporträt in gelbem Gewand mit rotem Umhang. Der Kopf ist auf die linke Hand gestützt, die ein graublaues Tuch hält. Die rechte Hand liegt auf einem geschlossenen Buch. Der Blick des Evangelisten geht aus dem Bild heraus. Der lange Bart und das Haupthaar sind in bräunlich-grauen Tönen gemalt. Das Gesicht des Löwen ist auf der rechten Bildseite über die aufgestützte Hand aus dem Hintergrund sichtbar. Hintergrund: Rundbogen in den Tönen Dunkelumbragrau, rechts und links vom Bogen je ein runder dunkler Punkt.
2) Evangelist mit dem Engel (Matthäus)- 42,5x69 linkes Maß Vordergrund: Halbporträt in ockerfarbigem Faltenumhang, die rechte Hand ruht auf einem rotrückigen Buch, die linke Hand schlägt ein graues Buch auf. Der Kopf mit dem spärlichen Haar richtet sich von rechts nach links, auffallend ist der lange graublaue Bart. Der Engel im gelben Gewand schaut über die rechte Schulter des Evangelisten, sein Blick ist dessen Gesicht zugewendet, seine rechte Hand ist aufgestützt. Hintergrund: Wie 1.
3) Evangelisten mit dem Stier (Lukas) – 43,5x69 lichtes Maß Vordergrund: Halbporträt in hellrotem Gewand und gelbem Überwurf. Der Kopf mit dem vollen rotbraunen Haar und ebensolchem langen Bart blickt genau aus dem Bild heraus. Die linke Hand ruht auf einem pultartigen Tisch, auf dem vorn ein Tintenfass steht. Den Kopf des Ochsen sieht man auf der rechten Bildseite aus dem Dunkel des Hintergrundes. Hintergrund: Wie 1 und 2.
4) Evangelisten mit dem Adler (Johannes) – 42x69 lichtes MaßVordergrund: Halbporträt in rotem Kleid über einem weißen Hemd. Ein brauner Faltenumhang über die linke Schulter. Der Blick ist von rechts unten nach links oben gerichtet. Das Haupthaar ist braun und voll, Lippen – und Kinnbart dagegen sind dünn.Der muskulöse, entblößte rechte Unterarm liegt mit seiner Hand auf einem Buch, hinter dem rechts im Bild der Kopf des Adlers sichtbar ist, der einen auffallend kräftigen gelben Schnabelhat. Hintergrund: Wie 1 – 3.Die Rückseiten aller vier Tafelbilder weisen eine frühere, vermutlich aus der Renaissance stammende ornamentale Malerei in Kaseintechnik auf. Der Untergrund ist durchweg dunkel - bis mittelbraun, das Ornament selbst rötlichbraun und von schwarzen bzw. hellen Konturen begrenzt. Alle vier Ornament – Malereien sind auf den beiden Längsseiten und auf jeweilsnur einer Schmalseite von hellbraunen Bändern eingefasst, während an einer Schmalseite dasOrnament bis zum Rand durchgezogen und von ihm abgeschnitten wird.Alle vier Bilder sind mit einfachen Holzrahmen gerahmt, deren Profile in Gold und Silber gestrichen sind.Leider wurde das Epitaphium schon bei der Anbringung in zwei Teile zerschnitten. 1851 bei Abbruch der alten Kirche war alles schon so schadhaft, dass nur die 4 Bilder der Evangelisten noch verwendbar waren. Auch der alte Taufstein ist noch vorhanden.

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